DTG - Passau Veranstaltungskalender
Januar - März 2018


Mittwoch, 14. März 2018, 19.00 Uhr

Islamisierung in Indonesien - ein missverstandender Prozess?

Vortrag von Dr. Werner Kraus, Centre of Southeast Art, Passau
Museum für Moderne Kunst Passau, Bräugasse 17

Der indonesische Islam wurde lange - sowohl von der Wissenschaft, als auch in der öffentlichen Meinung - als eine besonders kulturangepasste Form dieser Religion betrachtet. Muslime in Java und auf anderen Inseln, so war/ist die Meinung, sind stark in vorislamische (hindu-buddhistische) Kulturmuster eingebunden und grenzen sich dadurch nicht scharf von anderen Religionen ab. Diese, für einen Teil der indonesischen Muslime durchaus typische Tatsache, führte zu der oben angedeuteten Wahrnehmung, dass der indonesische Islam besonders tolerant sei. Genauere historische und regionale Betrachtungen aber zeigen, dass es sich bei dieser Ansicht eher um Wunschdenken, als um reale Verhältnisse handelt. Die Islamisierung Indonesien folgte, mit einiger Verzögerung, generell den Hauptströmungen der islamischen theologischen und politischen Entwicklung in den zentralen Orten des Islam (Mekka, Medina, Naher und Mittlerer Osten). Dies wird nicht nur seit einigen Jahren im modernen Indonesien deutlich sichtbar, sondern kann mit ähnlicher Klarheit in der Region Aceh im 17. Jahrhundert, bei den Minangkabau und in Zentraljava im 19. Jahrhundert und an vielen anderen Orten (Lombok, Makassar, Buton, Banjarmasin) zu anderen Zeiten nachgewiesen werden. Ausschlaggebend war immer die Verbindung zu den islamischen Zentren durch die Hadschdsch. Die Vorstellung von der feinen islamische Glasur, unter der starke vor- und unislamische Traditionen munter weiterleben, war eine Erfindung der Kolonialverwaltung und der lokalen Eliten, die sich vor nichts mehr fürchteten, als eine selbstbewusste islamische Gemeinde.

Dienstag, 27. Februar 2018, 19.00 Uhr
Vom Weiler zur Metropole: 6000 Jahre Kultur- und Landschaftsgeschichte in der Siedlungskammer des Budaközü und der hethitischen Hauptstadt Hattuscha - Kontinuitäten versus Brüche.

Vortrag von Prof. Dr. Andreas Schachner, DAI Istanbul und Universität Würzburg
Museum für Moderne Kunst Passau, Bräugasse 17

Die Forschungen unter der Ägide des Deutschen Archäologischen Instituts in Bogazköy-Hattuscha ermöglichen die Rekonstruktion der Kulturgeschichte des nordöstlichen Zentralanatoliens von Beginn der Seßhaftwerdung bis heute. Auch wenn der Schwerpunkt der Arbeiten auf der Zeit liegt, in der der Ort die Hauptstadt des hethitischen Großreichs war - eines der "Globalpalyer" im 2. Jahrtausend v. Chr. - erlauben die ausgegrabenen Befunde faszinierende Rückschlüsse auf politische wie kulturgeschichtliche Entwicklungen. Es ist so möglich, exemplarisch ein Bild der reichen Kultur der Region über die Jahrtausende zu zeichnen.