DTG - Passau Veranstaltungskalender
Januar - Juni 2020


Dienstag, 3. März 2020, 19.00 Uhr

"Liebe und Ehe im südasiatischen Islam - ein Paradigmenwandel?"

Vortrag von Dr. Johannes Rosenbaum, Uni Bamberg
Museum für Moderne Kunst Passau, Bräugasse 17

Die islamische Ehe wird in der Forschung zumeist als Rechtsinstitution verstanden und studiert. Elemente wie der Ehevertrag, die Unterhaltsansprüche der Frau oder die Verstoßung (talaq) stehen daher im Mittelpunkt. Dr. Johannes Rosenbaum nimmt dagegen die ethischen Aspekte islamischer Ehevorstellungen am Beispiel Südasiens in den Blick. Welche Rolle spielen Liebe und Mitgefühl, Rücksichtnahme und Respekt in der Ehe? Worauf berufen sich muslimische Gelehrte bei der Normierung der ehelichen Umgangsformen?"

Dr. Johannes Rosenbaum ist Akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl Islamwissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg



Dienstag, 17. März 2020, 19.00 Uhr

"In Istanbul gibt es keine hässlichen Frauen mehr!" Der Boom körperzentrierter Dienstleistungen und die Aushandlung von Weiblichkeit durch Schönheitskonsum in der städtischen Türkei.

Vortrag von Dr. Claudia Liebelt, FU Berlin und Uni Bayreuth
Museum für Moderne Kunst Passau, Bräugasse 17

Die Türkei rangiert in den globalen Statistiken der Internationalen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie weit oben - speziell im Stadtraum Istanbuls ist eine Ausweitung des Schönheitssektors, mit internationalen Kosmetik- und Modemessen, einer wachsenden Anzahl von Schönheitssalons, Nagel- und Fitnessstudios und privaten Schönheitskliniken zu beobachten. Besonders attraktiv sind diese Konsumangebote für berufstätige Frauen, die in ihr 'ästhetisches Kapital' investieren, um innerhalb eines wettbewerbsorientierten Arbeitsmarktes zu bestehen.
Claudia Liebelt berichtet von ihrer ethnographischen Feldforschung in Schönheitssalons und -kliniken in verschiedenen Vierteln Istanbuls und zahlreichen Interviews zwischen 2011–2015, von der sozialen Einbettung von Schönheitspraktiken, Aushandlungen sich wandelnder Vorstellungen von Weiblichkeit und der Rolle des weiblichen Körpers in der gegenwärtigen Türkei. Sie beschreibt, wie das Eindringen junger, modebewusst, aber fromm gekleideter Frauen in die säkular konnotierten Räume des innerstädtischen Schönheitskonsums bisher vorherrschende Vorstellungen und Bilder weiblicher Schönheit durcheinander bringt.

Frau Dr. Claudia Liebelt ist derzeit Gastprofessorin für Gender & Diversity Studien an der FU Berlin und Privatdozentin am Lehrstuhl für Sozialanthropologie der Universität Bayreuth.



Donnerstag, 2. April 2020, 19.00 Uhr

Aufstieg und Fall des türkisch-kurdischen Friedensprozesses

Vortrag von Ufuk Sahin
Museum für Moderne Kunst Passau, Bräugasse 17

Warum ist die AKP-Regierung im Jahr 2015 nach einem vielversprechenden Verlauf des Friedensprozesses mit der PKK zur Beilegung des türkisch-kurdischen Konfliktes von einer Versöhnungspolitik abgekehrt? Der Vortrag diskutiert, wie sich die Strategien, Interessen und Vorstellungen von einer Konfliktbeilegung und Postkonflikt-Ordnung der einzelnen Akteure sowohl auf Seiten des Staates als auch auf Seiten der kurdischen Bewegung im Verlauf der Versöhnungspolitik unter sich ändernden Bedingungen im innerstaatlichen Bereich und im regionalen Umfeld geändert haben. Die Abkehr von einer Versöhnungspolitik wird damit erklärt, dass die PKK durch die Sogwirkung Irakisch-Kurdistans und die zunehmende Institutionalisierung der kurdischen Nationalbewegung im Nahen Osten in einem günstigen Moment nach einem eigenen Staat auf dem Territorium der Türkei griff. Aufgrund der veränderten innenpolitischen Position hat die AKP-Regierung nicht mehr auf einen Dialog zur Konfliktlösung gesetzt.

Ufuk Sahin ist Doktorand an der Freien Universität Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft.